Dokument 1
Frankfurter Rundschau vom 17.12.2003 Seite 2
Ausgabe: S

Ressort PTH

porträt

Verurteilt

Ende September musste Dieter Gieseking mal wieder eine Demütigung hinnehmen. Das Landgericht Trier mochte nicht seiner Auffassung folgen, dass es sich bei einem Text, den er via Internet verbreitet hatte, um ein "wissenschaftliches" Werk handele. Das Gericht hatte gute Gründe: In dem angeblich authentischen Erfahrungsbericht schildert ein 11-Jähriger detailliert seine sexuellen Erfahrungen mit einem 30-Jährigen. "Knallharte Pornografie", urteilte der Staatsanwalt. Das Gericht verurteilte Gieseking zu acht Monaten ohne Bewährung. Der aber ist weiter auf freiem Fuß. Er hat Revision beantragt.

Es war nicht das erste Mal, dass Dieter Gieseking in Konflikt mit dem Gesetz geraten ist. Es wird, nach Lage der Dinge, auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Denn der 48-Jährige hat eine Mission: Er will, dass Pädophile "unbehelligt, respektiert und etabliert" leben können. Er will, dass Sex mit Kindern legalisiert wird. Viele Mittel scheinen dem Ex-Bundesgrenzschützer dafür recht. Sie haben ihm den zweifelhaften Ruf eingebracht, "Deutschlands berühmtester Pädophiler" zu sein.

Gieseking ist Gründer und Kopf der "Krummen 13", einer kruden Gruppe Gleichgesinnter, die sich "Gefangenenhilfeverein" nennt. Deren Ziel ist es, inhaftierten Pädophilen die Haftbedingungen zu erleichtern und Lobbyarbeit zu machen. Zudem dient das derzeit stillgelegte Online-Forum der "K13" als Kontakthof und Tauschbörse. Kinder, so das Credo des Clubs, seien durchaus interessiert an Sex mit Erwachsenen, geschehe dies "einvernehmlich", könne von Missbrauch keine Rede sein. Perfides Motto: "Gesetze kennen Grenzen - Liebe nicht."

Um seinen Verein zu finanzieren, betrieb Gieseking schon mal schwunghaften Handel mit Kinderpornos. Gegen eine "Spende" von 250 Mark versorgte er seine Kunden mit inkriminierter Ware. Das erste Mal flog er damit im September 1996 in Luxemburg auf. Ein Jahr Knast in dem Zwergstaat folgte. Auch danach wurde Gieseking mehrfach mit verbotenen Filmen und Texten erwischt, etwa Ende 1997 in der Eifel. Damals entging der selbst ernannte Pädophilen-Pionier einer harten Strafe, indem er seine Kunden verpfiff.

Inzwischen scheint Gieseking Gefallen an seiner Popularität gefunden zu haben und traut sich immer unverhohlener in die Öffentlichkeit. So kündigte er Ende 2001 an, die "Krumme 13" in Trier ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Nach massiven Protesten annoncierte er seinen Umzug nach Hamburg. Erst als dort neben allen Parteien und linken Gruppen sogar Neonazis gegen die "Krumme 13" auf die Barrikaden gingen, blies Gieseking zum Rückzug. Mitte dieses Jahres hieß es, der Verein habe sich aufgelöst. Das aber darf bezweifelt werden. Wer heute im Internet die Online-Redaktion des Vereins anklickt, wird darauf verwiesen, dass man sich gerade einen neuen Server suche. Der "K13-Onlineshop" befindet sich "under construction". Dem Hamburger Abendblatt verriet Gieseking, was er dort zu verhökern gedenkt: "Bücher zum Thema Pädophilie, Boylove und Girllove, sowie Bildbände, Videos, Spielfilme, Zeitschriften und vieles mehr". Man wird, so viel steht fest, noch von Dieter Gieseking hören.

Autor: Von Jörg Schindler (Berlin)
Datenbank FR
Dokumentennummer: 2495654

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